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Vatazeit

Mit Ayurveda entspannt durch den Herbst

Herbstzeit ist Vatazeit.

Der Herbst kann eine herausfordernde Jahreszeit sein. Nach dem schönen Sommer mit all der Wärme und all dem Licht kann es im Herbst passieren, dass der Umschwung sowohl für den Körper als auch für den Geist eine schwierige Zeit ist.

Um diesen Übergang so sanft wie möglich zu gestalten, möchte ich dir heute einige Tipps geben, wie du mit Ayurveda gut für dich sorgst und mit Leichtigkeit in den Herbst startest.

Um zu verstehen, wie wir Ayurveda im Herbst nutzen können, lass uns noch einmal die Grundlagen dieser Lehre anschauen: 

Das gesamte Universum, also alles was wir sehen, anfassen aber auch alles was wir denken, fühlen und wahrnehmen können, besteht aus den 5 Elementen – den Pancha Maha Bhuta. Diese Elemente sind von grob- zu feinstofflich Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum.

Aus den 5 Elementen, die wir wie Grundbausteine der Natur ansehen können, werden drei Prinzipien oder Biotypen, sogenannten Doshas gebildet. Die Theorie der Doshas ist die zentrale Lehre des Ayurveda. 

Jedes der drei Doshas besteht aus zwei Elementen und hat bestimmte Charakteristiken, basierend auf den Elementen, die ihnen zu Grunde liegen:

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Vata

besteht aus Luft und Raum und ist das Prinzip der Bewegung.  Vata ist kalt, trocken, leicht, fein, beweglich, ungleichmäßig und rau.

Pitta

besteht aus Feuer und Wasser und ist das Prinzip des Metabolismus oder der Transformation. Pitta ist heiß, ölig, penetrierend, intensiv, sauer, scharf und flüssig.

Kapha

besteht aus Wasser und Erde und ist das Prinzip der Struktur und Stabilität. Kapha ist schwer, kalt, ölig, stabil, weich, gleichmäßig, süß, fest und viskös.

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Wir selbst, unser gesamtes Sein, sowohl auf innerer Ebene als auch äußerlich, bestehen aus den Zusammenspiel der drei Doshas. Die Doshas sind immer alle drei vorhanden, aber in unterschiedlich hohen Anteilen. Manche Menschen haben einen hohen Vata Anteil, ihr Körperbau beispielsweise ist dementsprechend eher leicht und fein, während jemand mit einem hohen Kapha Anteil generell einen kräftigeren und stabileren Körperbau hat –  aufgrund des hohen Anteils des Erdelements. Auch innerlich beeinflussen uns die Doshas: Personen mit einem hohen Pitta Anteil neigen beispielsweise dazu, ein sehr feuriges Temperament zu haben.

Genauso wie wir Menschen auf allen Ebenen von dem Wechselspiel der Doshas beeinflusst werden, unterliegt auch der Rest der Natur diesem Wechselspiel. 

Während der 24 Stunden eines Tages beispielsweise gibt es Momente, in denen Vata Dosha besonders stark ausgeprägt ist, es gibt Momente in denen Pitta vorherrscht und Momente, die von Kapha geprägt sind. Wie das im Detail aussieht kannst du in diesem Blogartikel lesen.

Alle Zyklen und Rhythmen der Natur unterliegen diesem Wechselspiel der Doshas, also nicht nur der Tageszyklus, sondern auch der Monats- und der Jahreszyklus. 

Über das Jahr hinweg gibt es Zeiten, in denen jeweils eins der drei Doshas stärker ausgeprägt ist, als die anderen. Wenn unsere Umgebung besonders viel von einem Dosha enthält, sorgt das dafür, dass sich auch in uns dieses Dosha erhöht, da wir und unsere Umgebung in ständigem Austausch stehen. 

Das bedeutet: Der Winter ist beispielsweise von Kapha Dosha geprägt. Die Natur fährt ihre Aktivität auf allen Ebenen runter, es ist dunkel, ruhig und viele Tiere und Pflanzen gehen in den Winterschlaf. Diese Ruhe und Entschleunigung des Winters liegt an dem Einfluss von Kapha Dosha. Auch wir können den Einfluss von Kapha im Winter spüren: Es ist die Zeit, um gemütlich zu Hause zu sein, sich auszuruhen und alles etwas ruhiger angehen zu lassen.

Sommerzeit ist Pittazeit, denn die Sonne sorgt dafür, dass der Anteil des Feuer Elements in der Natur zunimmt. Es ist warm, hell und wir Menschen sind voller Lebensfreude, Tatendrang und Energie. 

Der Herbst ist Vatazeit. 

Vata besteht aus den Elemente Luft und Raum und ist von allen drei Elementen am instabilsten. Vata ist ständig in Bewegung, wechselt die Richtung so schnell wie der Wind und ist schwer im Zaum zu halten. Vata ist deshalb, ganz generell gesagt, dass Element, dass uns am meisten Schwierigkeiten bringt, weil es einfach so schnell die Balance verliert. 

Im Herbst steigt die Vata Energie in der Umgebung. Der Übergang von Sommer zu Winter ist durch einen starken Wandel in der Natur geprägt, die Bäume verlieren ihre Blätter, es wird kälter, stürmischer und wechselhafter.

Durch die hohe Vata Energie in der Umgebung steigt auch die Vata Energie in uns. Auf innerer Ebene sorgt ein ausgeglichenes Vata Dosha für Kreativität, Spiritualität, Freude, Begeisterung und Leichtigkeit. Wenn Vata im Ungleichgewicht ist, kommt es zu Nervosität, Ängsten, Depressionen, innerer Unruhe oder Selbstzweifeln.

Die Eigenschaften von Vata sind trocken, kalt, leicht, beweglich, schnell und unregelmäßig. Bei zu hohem Vata auf körperlicher Ebene kommt es zu Trockenheit, zum Beispiel trockener Haut oder Verstopfung durch Trockenheit, Verdauungsproblemen, kalten Händen und Füßen oder Schlafstörungen.

Der Herbst ist also nicht nur herausfordernd, weil die sehr auswärts gerichtete Energie des Sommers langsam wieder zur Ruhe kommt und sich beginnt wieder nach innen auszurichten, sondern auch weil in der Natur so viel mehr Vata Energie vorhanden ist, die uns direkt beeinflusst. 

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Um entspannt und gut umsorgt durch den Herbst zu kommen, sind die Prinzipien des Ayurveda wunderbar wertvoll. Es gilt immer das Prinzip, dass Gleiches Gleiches verstärkt und dass sich Gegensätze gegenseitig ausgleichen. Um also der starken Vata Energie, die für schwierige Emotionen oder körperliche Probleme sorgen kann, entgegenzuwirken, führen wir mehr von den gegensätzlichen Elementen hinzu.

1) Viel Flüssigkeit und Öle

Um der Trockenheit der Vata Winde entgegenzuwirken, ist es wichtig, viel Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Da Vata auch kalt ist, sind warme Getränke ideal, besonders milchige Getränke, wie Chai oder goldene Milch ( funktioniert sowohl mit Pflanzenmilch als auch mit Kuhmilch). Obstsäfte können auch wohltuend sein. 

Außerdem können wir mit hochwertigen Ölen arbeiten – innerlich durch die Nahrung, als auch äußerlich. Das beste Öl für Vata ist ungeröstetes Sesamöl. Sesamöl spielt eine ganz spezielle Rolle im Ayurveda, weil es sehr tief in die Gewebe eindringt. Wenn du Milchprodukte nutzt, ist außerdem Ghee absolut fantastisch für Vata. 

Äußerlich kannst du dein Sesamöl für eine regelmäßige Selbstmassage deines ganzen Körpers nutzen. Abhyanga heißt diese Praxis der Ölmassage. Ich habe einen separaten Artikel über die Selbstmassage geschrieben, den du hier findest. Die Massage hilft nicht nur bei trockener Haut, sondern beruhigt das Nervensystem und stärkt das Immunsystem. Für mich als Vata Mensch gehört Abhyanga seit vielen Jahren ganz fest zu jedem Morgen dazu und ich bin davon überzeugt, dass ich es dieser Routine zu verdanken habe, dass ich so gut wie nie krank werde. Ich war in den letzten 3 Jahren vielleicht einmal erkältet. Abhyanga ist sehr sehr wertvoll und wirklich effektiv – vor allem wenn du, so wie ich, einen hohen Vata Anteil in deiner Konstitution hast.

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2) Stabilität

Vata ist beweglich, sprunghaft und wechselhaft. Um hier nicht die Kontrolle oder den Fokus zu verlieren, ist es wichtig, Stabilität in unser Leben einzuladen. Das geht am besten über eine feste Tagesroutine. Steh zur selben Zeit auf, am besten mit oder kurz vor Sonnenaufgang und geh früh gegen 21:00 Uhr oder spätestens 22:00 Uhr schlafen. Leg dir außerdem feste Zeiten für deine Mahlzeiten fest. 

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3) Erdung

Vata ist luftig und leicht und kann durch Erdung besänftigt werden. Wir können wunderbar über die Nahrung das Element Erde zu uns nehmen, indem wir Wurzelgemüse zu uns nehmen. Da es aus der Erde kommt, hat Wurzelgemüse viel vom Erdelement in sich. Kürbissuppen sind auch wunderbar, genauso wie warmer Frühstücksbrei. Hier findest du ein Rezept für eine leckere Wurzelgemüsesuppe. Außerdem hilft es, Zeit in der Natur zu verbringen oder wir können uns durch eine beruhigende Yogapraxis erden. 

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4) Entspannung

Das Nervensystem wird von Vata regiert. Zu viel Vata sorgt für ein überreiztes Nervensystem, was zu Nervosität, Unruhe, nicht zu beruhigenden Gedanken oder Schlafstörungen führen kann. Hier hilft es, sich aktiv Zeit zur Entspannung zu nehmen. Schau, dass du Pausen einlegst, dir Ruhe gönnst und dir Zeiten für dich freihältst. Schulterstand und seine Variationen und Vorwärtsbeugen sind gute Asanas, um den Geist zur Ruhe kommen zu lassen. Auch Pranayama mit Fokus auf der Ausatmung ist sehr effektiv. Besonders Brahmari Atmung und Viloma mit Pausen in der Ausatmung können sehr gut eingesetzt werden.

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5) Wärme

Vata ist kalt. Sorge deshalb für ausreichend Wärme. Über die Nahrung kannst du mit wärmenden Gewürzen arbeiten, wie Ingwer, Zimt, Asafoetida, Kardamom, Nelken, Pfeffer und Chili. Gönn dir ein warmes Bad und sorge dafür, dass du genug warme Kleidung trägst. Halte deine Hände und Füße warm, du kannst zum Beispiel Wärmflaschen dafür nutzen. Auch Gewürztees wie Chai oder Ingwertee funktionieren super.

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Wenn wir wissen wie wir die Rhythmen der Natur für uns nutzen können, dann können wir in jeder Jahreszeit seine Schönheit erkennen. Genieße den Herbst, die Farben der Blätter und spüre, wie sich langsam alles nach innen kehrt und auf den Winter vorbereitet. 

Ich wünsche dir eine schöne Herbstzeit!

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Alles Liebe

Deine Laura

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PS: Wenn du Lust hast, mit mir zusammen zu arbeiten und tiefer in die wunderbare Lehre des Ayurveda einzutauchen, dann bewirb dich gern für ein 1:1 Coaching.

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