Koshas

Pancha Kosha

Spiritual Anatomy

Die meisten von uns wissen, dass der Mensch mehr ist, als das was wir sehen können. Die Anatomie des Menschen auf körperlicher Ebene ist bekannt – niemand bezweifelt, dass der menschliche Körper aus Haut, Muskeln, Knochen, Organen etc. besteht. Gleichzeitig ist der Mensch natürlich auch so viel mehr als das. 

Es gibt Dinge in uns, die da sind, auch wenn sie nicht sichtbar oder nicht greifbar sind. Gedanken, Emotionen, Intuition – all das sind Beispiele für Aspekte von unserem Menschsein, die fester Bestandteil von uns sind, nur auf einer nicht sichtbaren, subtilen Ebene.

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As animals, we walk the earth. As bearers of a divine essence, we are among the stars.

BKS IYENGAR

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Die vedische Lehre, zu der Yoga und Ayurveda gehören, basiert auf der Lehre der 5 Elemente. Alles in der manifestierten Natur besteht aus dem Zusammenspiel von Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum. Der Körper bildet die grobstoffliche Ebene dieser Manifestation der Elemente – und unsere innere Welt bildet die feinstoffliche Manifestation derselben Elemente.

Die grobstoffliche Manifestation, also die Anatomie des Menschen auf körperlicher Ebene, ist uns allen bekannt. Die feinstoffliche Ebene wurde in der westlichen Welt und Medizin jedoch größtenteils ausgelassen. In der östlichen Lehre, im Ayurveda und Yoga spielen die inneren Ebenen des Menschen aber eine genauso wichtige Rolle wie die körperliche Hülle.

Im Yoga geht es darum, uns selbst zu erkennen, besser zu verstehen und Einklang zwischen allen Ebenen unseres Selbst herzustellen. Dafür ist es natürlich wichtig erst einmal zu schauen, wie wir überhaupt aufgebaut sind – sowohl grobstofflich als auch feinstofflich. 

Die weisen Rishis und Yogis der Vergangenheit haben für uns eine Fülle an Weisheiten hinterlassen, die wir nutzen können, um den Prozess unserer Weiterentwicklung zu beschleunigen. Eine dieser Weisheiten, die sie für ihre Nachwelt – also für uns – hinterlassen haben, ist eine genaue Beschreibung der inneren Anatomie des Menschen – also der Anatomie unserer feinstofflichen Ebenen.

Diese Ebenen werden Koshas genannt. Kosha ist Sanskrit und bedeutet Fass, Behälter oder auch Hülle, Schale, oder Energiehülle.

Die Lehre der Pancha Kosha – 5 Hüllen – ist ein zentraler Bestandteil der vedischen Lehre und sowohl für unsere Weiterentwicklung auf dem Weg des Yoga, als auch im Ayurveda von Bedeutung. 

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Die 5 Koshas:

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Der energetische Körper des Menschen besteht aus 5 (pancha = 5 auf Sanskrit) Koshas. Du kannst dir diese Koshas wie Zwiebelschalen vorstellen oder wie russische Schachtelpuppen. Sie werden von außen nach innen immer subtiler:

Annomaya Kosha – the food body (Der Nahrungs-Körper)

Pranamaya Kosha – the energy body (Der energetische Körper)

Manomaya Kosha – the mental body (Der mentale Körper)

Vijnanamaya Kosha – the wisdom body (Der Weisheits-Körper)

Anandamaya Kosha – the bliss body (Der Glückseligkeits-Körper)

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Die Koshas sind die energetischen Hüllen, die unseren Kern, unsere Seele umschließen. Die Seele ist der göttliche Teil in uns, der immer rein, perfekt und absolut ist. Die eigene göttliche Essenz klar sehen und spüren zu können, ist Samadhi, die komplette Selbsterkenntnis oder Erleuchtung. Wenn die Koshas jedoch verunreinigt sind oder nicht in Einklang miteinander, dann ist es unmöglich, das Licht der Seele wahrzunehmen.

Im Laufe des Lebens passiert Folgendes: Aufgrund von verschiedenen Erfahrungen, die wir machen, Eindrücken und Glaubenssätzen an denen wir festhalten, Gedanken, die wir fälschlicherweise für wahr halten etc. verunreinigen sich die Koshas und sie verlieren ihren Einklang miteinander. Mit der Zeit ist es für uns unmöglich, unsere eigenen Essenz zu erkennen.

Um das Licht unserer Seele wieder wahrnehmen zu können, müssen wir die Koshas wieder miteinander in Harmonie bringen und sie bereinigen. Du kannst dir das so vorstellen, wie schmutzige Fenster, die das Licht der Sonne verdecken und sie nicht mehr ins Haus scheinen lassen. Sobald die Fenster geputzt wurden, wird es wieder heller im Haus. Der einzige Unterschied ist, dass in unserem Fall die Sonne im inneren ist und nach außen scheint und mehrere Schichten von Fenstern nacheinander um die innere Sonne herum liegen. Yoga ist der Weg zurück zu unserem innersten, weisesten Kern, zurück zu unserer Essenz.

Yoga ist der Weg zurück zu unserem innersten, weisesten Kern, zurück zu unserer Essenz und gleichzeitig ein Prozess der Reinigung. Wir üben regelmäßig Yoga und Pranayama, lassen immer mehr los, achten auf unsere Ernährung, auf unsere Gedanken, wählen unsere Gesellschaft mit wachsender Präzision und beseitigen so Schicht für Schicht die Verunreinigungen, die unser inneres Licht bedecken.

Dabei starten wir mit dem was für uns greifbar ist: mit dem Körper. Lass uns im folgenden die 5 Koshas näher betrachten:

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1) Annomaya Kosha – the food body (Der Nahrungs-Körper)

Die äußerste Hülle bildet Annomaya Kosha – die körperliche, physische Hülle aus Fleisch und Blut.  Annomaya Kosha bedeutet soviel wie der Körper aus Nahrung. Das ist die für uns greifbare und sichtbare Ebene.

Die Praxis der Asanas ist deshalb so kraftvoll, weil wir intensiv mit diesem Kosha arbeiten. Wir starten unseren Yogaweg mit dem was für uns greifbar ist und was wir direkt wahrnehmen und verstehen können – nämlich mit dem Körper selbst. Im Iyengar Yoga beobachten wir intensiv die Funktionalität des Körpers und lernen unsere Aufmerksamkeit immer wieder in unterschiedliche Winkel und Ecken des Körpers zu bringen. Dadurch trainieren wir nicht nur unsere Wahrnehmung, sondern lernen auch zu verstehen, wie wir auf körperlicher Ebene funktionieren. Mit regelmäßiger Praxis wird unsere Wahrnehmung feiner, sensibler und wir werden immer feinfühliger dafür, was uns gut tut und was nicht.

Eine gesunde, leichte und pflanzliche Ernährung zum Beispiel ist keineswegs Voraussetzung, um mit Yoga anzufangen. Yoga ist für absolut alle Menschen, völlig unabhängig von unseren Gewohnheiten, unserer Herkunft, unserem Glauben etc. Aber durch den Reinigungsprozess, der durch einen regelmäßige Praxis in Gang gesetzt wird, verändern sich unsere Gewohnheiten wie von selbst. Wir verlieren den Gefallen an Essen, Menschen und Gewohnheiten, die uns nicht gut tun und wählen intuitiv das, was in Einklang mit uns selbst ist. Dies wiederum beeinflusst die darunter liegenden Hüllen positiv. Unsere Emotionen und Gedanken spiegeln die neuen Muster des Körpers wieder und die Harmonie zwischen den Koshas steigt. Deshalb ist eine regelmäßige Asanapraxis so essenziell wichtig und so kraftvoll. 

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„Wenn wir die Fragmentierung als Ursache für alle Krankheiten anerkennen, dann können wir beginnen, von den Praktiken eines ganzheitlichen Lebens zu profitieren.“

Maya Tiwari

2) Pranamaya Kosha – the energy body (Der energetische Körper)

Die nächste Hülle ist die Energie-Hülle. Pranamaya Kosha ist der Ort unserer Emotionen und unserer Vitalität

Alles im Universum besteht aus Energie und Prana ist die Lebensenergie, die allem Leben zugrunde liegt. Die Bewegung der Planeten im Kosmos beruht auf Prana. Genauso wird unser Leben auf diesem Planeten von Prana regiert.

Die Energie ist direkt verbunden mit unserer Atmung. Um Pranamaya Kosha zu stärken, haben die Rishis und weisen Yogis uns das wunderbare Werkzeug Pranayama an die Hand gegeben. Pranayama ist die Regulierung und Expansion der Atmung und arbeitet direkt mit der Lebensenergie in uns. Dadurch ist Pranayama extrem kraftvoll und effektiv – und sollte mit Vorsicht und Verständnis geübt werden. Denn wenn wir beginnen mit der Kraft des Lebens selbst zu arbeiten, ist eine erforderliche Voraussetzung, das unser Körper und unser Nervensystem ausreichend vorbereitet sind. Diese Vorbereitung erfolgt durch Asana.

Richtig zu atmen ist für die meisten etwas, was gelernt werden muss. Viele Menschen atmen sehr flach und kurz und berauben sich dadurch selbst ihrer Energie. Je mehr wir durch Pranayama lernen, den Atmen für uns zu nutzen, umso mehr Energie setzen wir in uns frei. 

Gleichzeitig ist Pranamaya Kosha der Sitz der Emotionen. Denn Atmung und Emotionen sind direkt verbunden. Denk zum Beispiel mal darüber nach, wie du atmest wenn du weinst, oder wenn du lachst, wenn du wütend bist oder wenn du Angst hast. Diese Emotionen beeinflussen direkt den Fluss der Atmung. Diese Verbindung können wir für uns nutzen, indem wir durch bewusstes, achtsames und ruhiges Atmen für emotionale Stabilität und Ausgeglichenheit sorgen.

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3) Manomaya Kosha – the mental body (Der mentale Körper)

Manomaya Kosha ist der Sitz unserer geistigen Welt. Hier befinden sich unsere Gedanken, unsere tief verankerten Reaktionsmuster, unser Ego und unsere Wünsche und Instinkte.

Wenn wir versuchen würden, uns selbst zu verstehen ohne dabei unsere geistige Welt in Betracht zu ziehen, würden wir ohne Frage scheitern. Jedes Verhalten, jede Entscheidung egal ob positiv oder negativ basiert auf unseren Gedanken. 

Zu verstehen, wie unser Geist funktioniert und die richtige Wahrnehmung zu schulen, ist das Herzstück des Yoga, sagt BKS Iyengar in seinem Buch „Licht aufs Leben“. Patanjali definiert Yoga in den Yoga Sutren als das Zur-Ruhe-Bringen der Gedankenwellen des Geistes:

yogaś citta-vṛtti-nirodhaḥ || 1.2 || 

Yoga ist das Zur-Ruhe-Bringen der Gedankenwellen des Geistes. 

Yoga Sutren des Patanjali

Die instinktiven Prozesse, die dazu dienen, unser Überleben zu sichern, befinden sich in Manomaya Kosha. Unser Gehirn funktioniert auf eine spannende Art und Weise: Um unser Überleben zu sichern, vergleicht es ständig die aktuelle Situation mit vorherigen Situationen. Wenn eine vergangene Situation sicher und gut war, dann versucht das Gehirn, diese Umstände aufrecht zu halten, um auch in der Zukunft das Überleben zu sichern. Neue Umstände bedeuten immer Unsicherheit und potenziell nicht zu überleben. Diese Funktion ist natürlich wichtig, wenn es um unser tatsächliches Überleben geht, läuft allerdings häufig aus dem Ruder, wenn wir beispielsweise vor einer Präsentation eine solche Angst haben, als würden wir potentiell daran zugrunde gehen. Mehr dazu findest du in diesem Blogartikel.

Durch Yoga können wir lernen unsere geistige Ebene zu beobachten und unsere Muster entdecken. Alte Glaubenssätze können losgelassen werden und wir erlangen immer mehr Klarheit und Präzision auf gedanklicher Ebene.

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4) Vijnanamaya Kosha – the wisdom body (Der Weisheits-Körper)

Die nächste, noch subtilere Hülle umfasst einen weiteren spannenden Aspekt unserer inneren Welt: Unseren Intellekt, Buddhi, auf Sanskrit. Dies ist der Ort von Weisheit, tiefer Intelligenz und Intuition. Vijnanamaya Kosha und Manomaya Kosha sind eng miteinander verbunden. Während in Manomaya Kosha jedoch Entscheidungen basierend auf der Vergangenheit getroffen werden ohne jegliche Form von Differenzierung, sorgt Vijnanamaya Kosha dafür, zu hinterfragen. Hier werden Entscheidungen analysiert, abgewogen und je mehr wir in Einklang mit uns selbst sind umso lauter wird die Stimme unserer Inutition und unserer inneren Weisheit. Diese Stimme wird nie laut sein, jedoch können wir durch unsere regelmäßige Praxis trainieren, die sanften Impulse aus dem inneren mehr und mehr wahrzunehmen und nach ihnen zu handeln.

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5) Anandamaya Kosha – the bliss body (Der Glückseligkeits-Körper)

Die innerste und subtilste Hülle ist Anandamaya Kosha. Ananda bedeutet Glückseligkeit und enthält unsere göttliche Essenz. Je mehr wir die Koshas von außen nach innen in Einklang bringen, sie reinigen und unsere Verbindung zu den verschiedenen Aspekten unseres Seins stärken, umso mehr wird das Licht unseres Kerns nach außen scheinen können und uns den Weg leiten. Wenn die äußeren vier Koshas in perfekter Harmonie sind, scheint das reine Bewusstsein, das in Anandamaya Kosha zu Hause ist, nach außen und die Koshas verlieren sich ineinander. 

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Ich hoffe dir hat dieser Artikel gefallen und dass er dir helfen konnte, dich selbst noch ein bisschen besser kennenzulernen. Unsere Yogapraxis kann stimulierend und bereichernd sein, wenn wir auf rein körperlicher Ebene arbeiten, sie gewinnt jedoch an Tiefe und Wichtigkeit, je mehr wir uns mit den unterschiedlichen Aspekten der Philosophie und somit uns selbst auseinandersetzen.

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Alles Liebe

Deine Laura

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PS: Eine regelmäßige Yogapraxis bilden das Fundament für die Integration und die Reinigung unserer energetischen Hüllen. Wenn du Lust hast, mit mir zusammen zu üben, dann kannst du dich hier für die nächste Yogaklasse anmelden.

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