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Hausapotheke

Teil 2: Ayurveda

Wenn wir krank sind, kommt oft eine gewissen Hilflosigkeit mit der Krankheit einher. Wir verstehen die Symptome unseres Körpers oft nicht, wissen nicht was wir dagegen tun können und geben die Verantwortung für die Heilung lieber oft an Ärzte und Therapeuten ab. 

Selbstverständlich ist es richtig, zum Arzt zu gehen – bitte versteh mich nicht falsch. Aber unser Leben bekommt noch einmal eine ganz neue Qualität wenn wir wissen, wie wir uns selbst helfen können und zwar auf natürliche und sanfte Art – mit Yoga und Ayurveda. 

Dieser Artikel heute ist der zweite von zwei Teilen, in denen ich dir meine persönliche Hausapotheke vorstellen möchte. Ich liebe das Gefühl, mir selbst helfen zu können und ich möchte gern die Asanas und ayurvedischen Routinen und Kräuter mit dir teilen, die mir am meisten helfen. Letzte Woche habe ich dir meine Hausapotheke Yoga vorgestellt und heute geht es weiter mit Ayurveda. 

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Hausapotheke Ayurveda

Ayurveda funktioniert anders als die moderne Medizin. Im Ayurveda geht es in erster Linie darum, Krankheiten vorzubeugen, während es in der modernen Medizin vor allem um die Behandlung von Symptomen geht. 

Ayurveda ist also präventiv. Durch bestimmte Routinen, ein detailliertes Verständnis unserer eigenen Natur und unserer Umgebung, bewusst ausgewählte Lebensmittel und Aktivitäten können wir unsere innere Balance stärken und aufrecht erhalten, sodass Krankheiten im besten Fall einfach an uns abprallen. 

Im Ayurveda liegt die Ursache jeder Krankheit in einer Dysbalance der Doshas. Durch ein tiefes Verständnis von uns selbst können wir lernen, die ersten Anzeichen wahrzunehmen, wenn eins der Doshas seine Balance verliert. Dann können wir bewusst entgegenwirken und im Idealfall, die Krankheit bereits in diesem Anfangsstadium ausbremsen. 

Natürlich ist es nicht immer einfach, alle Einflüsse und alle Anzeichen des Körpers wahrzunehmen und richtig zu deuten, weswegen es manchmal auch trotz eines ayurvedischen Lebensstils zu Krankheiten kommen kann. Je besser wir uns selbst verstehen, umso seltener kommt es jedoch dazu. 

Falls doch einmal Probleme auftreten, hat Ayurveda ein ganz wunderbares Repertoire an Heilmitteln, Kräutern und Therapien, die uns helfen, unsere Balance von innen heraus wieder herzustellen, sodass der Körper sich selbst heilen kann, denn im Ayurveda geht es immer darum, die Heilungskräfte des Körpers zu aktivieren.

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Der Allround Immunstärker:

Ein wunderbarer Alleskönner im Ayurveda ist Chyavanprash. Chyavanprash hat in etwa die Konstistenz von Marmelade und ist ein Mix aus 25 bis 80 Heilmitteln. Die Basis besteht aus Ghee, Zucker, Honig und Amla. Außerdem enthält dieser Immunbooster weitere Früchte, Mineralien und Kräuter. Chyavanprash stärkt die Abwehrkräfte und wirkt kräftigend auf den Körper insgesamt.

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Erkältungen und Grippe: 

Ingwer ist ein Alleskönner und stimuliert das Verdauungsfeuer Agni. Ingwer kann auch von Pitta-Typen verwendet werden und kann eine gute Alternative zu Trikatu (siehe unten) bilden. 

Erkältungen, besonders mit viel Schleimproduktion basieren häufig auf einem zu hohen Kapha Dosha. Agni wird durch den Ingwer angeregt, sodass das Feuer der kalten Feuchtigkeit von Kapha entgegenwirken kann. Am besten kannst du Ingwer als Tee trinken. Ich liebe die Kombination aus Thymian und Ingwer bei schweren Erkältungen.

Trikatu ist ein Mix aus drei Pflanzen: schwarzem Pfeffer, langem Pfeffer und Ingwer. Die drei scharfen Gewürze, wirken sehr stimulierend auf Agni. Trikatu kann wunderbar bei Kapha Erkältungen mit viel Schleim und einer kalten Feuchtigkeit im Körper eingesetzt werden. Pitta-Typen mit Kapha Symptomen sollten hier etwas vorsichtig sein, da der hohe Wärmegehalt dieser Mischung das Pitta Dosha zu sehr anreizen kann und zu Pitta Konditionen wie Durchfall führen kann. Beginne am besten mit einer geringen Dosis und schau, wie dein Körper reagiert.

Amla ist die Frucht des Amalaki Baums und ist eine sehr häufig verwendete Frucht im Ayurveda. Sie ist reich an Mineralien und hat einen sehr hohen Vitamin C Gehalt. Amla kann in verschiedenen Formen eingenommen werden, zum Beispiel als Pulver oder in Marmeladenform im Chyavanprash. Durch den hohen Vitamin C Gehalt ist Amla ein gutes Antioxidationsmittel und hilft, die Abwehrkräfte zu stärken.

Viel Ruhe, Wärme und Entspannung sind sehr wichtig im Heilungsprozess. Außerdem sollte jede Krankheit von einer sanften Diät begleitet werden. Am besten eignet sich hier Kitchari.

Jedes Mal, wenn ich das Gefühl habe, das etwas nicht stimmt und mein Körper mir erste Signale gibt, starte ich eine Kitchari Diät und esse für ein paar Tage nichts anderes. Zusammen mit genug Ruhe wendet dies die meisten Krankheiten direkt wieder ab.

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Magen-Darm:

Unsere Gesundheit steigt und fällt mit der Kraft unseres Verdauungsfeuers Agni. Agni ist im Ayurveda die zentrale Kraft für Gesundheit. Wenn die Doshas ihre Balance verlieren, wirkt sich dies direkt auf Agni aus. Es ist daher unsere Aufgabe, gut für unser Verdauungsfeuer zu sorgen, und es in einem gesunden, kräftigen, aber ausgeglichenem Zustand zu halten. Am besten geht das durch eine Ernährungsweise, die mit unserer Konstitution und mit unserer Umgebung abgestimmt ist. 

Ein wunderbarer Alleskönner ist Triphala. Triphala bedeutet drei Früchte und besteht wie der Name schon sagt aus drei Früchten: Amla, Haritaki und Bibhitaki. Zusammen wirken diese drei ausgleichend auf alle drei Doshas und sind ein hervorragendes Tonic für den Darm. Triphala gibt es in Pulver, Tabletten und Kapselform. Ich verwende am liebsten Pulver. Am besten gibst du abends ca. einen halben Teelöffel Triphala in ein halbes Glas Wasser und lässt es über Nacht stehen. Am nächsten morgen trinkst du es vor dem Frühstück. Du kannst Triphala problemlos über mehrere Wochen auf diese Art nutzen, um dein Verdauungsfeuer auszugleichen und dadurch die Heilungskräfte deines Körpers zu aktivieren. 

Achtung: Triphala hat eine leicht abführende Wirkung. Wenn du weißt, dass du recht sensibel bist und eher zu Durchfall als zu Verstopfung neigst, dann starte auf jeden Fall mit einer geringeren Dosis. Die Dosis hängt in jedem Fall von dir und deinem Körper ab, also probier dich aus und variiere zwischen 1/8 und  max 1 Teelöffel pro Tag.

Auch Ingwer hilft, das Verdauungsfeuer Agni anzuregen und hilft vor allem, bei langsamer Verdauung. Pitta-Typen können Ingwer auch verwenden, aber mit etwas mehr Vorsicht. 

Bei Durchfall gibt es zahlreiche Mittel, um die Balance wieder herzustellen. Am wichtigsten, ist dabei die Diät. 

Das Verdauungsfeuer ist sowieso schon außer Kontrolle und muss beruhigt werden. Am besten funktioniert für mich die klassische ayurvedische Kombination aus gekochtem, weißem Basmatireis und ein paar Löffeln Joghurt. Für mich ist bei Durchfall selbst Kitchari zu kräftig. Wenn du keine Milchprodukte nutzt, dann lass den Joghurt weg und iss nur den Reis. In jedem Fall würde ich nichts anderes essen, als Reis und Joghurt. Auch Lassis, also Joghurt verdünnt mit Wasser und einer kleinen Prise Kreuzkümmel, helfen. Vermeide auf jeden Fall Früchte, Vollkorn und viele unterschiedliche Gemüsesorten. Ich empfehle eine ganz strikte Reis und Joghurt Diät, bis die Symptome abklingen und dann ein paar Tage Kitchari. Zunächst eine ganz sanfte Variante mit wenig Gewürzen und ohne Gemüse und wenn du dies gut verträgst, dann kannst du langsam ein paar leicht verdauliche Gemüsesorten wie Zucchini oder Süßkartoffeln hinzufügen.

Durchfall ist oft ein zu aktives Verdauungsfeuer, was häufig auf einem zu hohen Pitta Dosha basiert. Um Pitta auszugleichen, arbeiten wir im Ayurveda vor allem mit Bitterstoffen. Ich habe immer Kutaj (Holarrhena antidysenterica) im Haus – das ist eine ganz bittere Pflanze, die hilft, das Feuer zu beruhigen. Kutaj wirkt direkt auf den Dickdarm und hilft, eine normale Funktion wiederherzustellen. Außerdem hilft Kutaj bei Parasiten, Bakterien- und Amöbeninfektionen und sollte in der Reiseapotheke unbedingt dabei sein. Falls du Kutaj nirgendwo findest, kannst du in der Homöopathie nach Holarrhena suchen – das ist die gleiche Pflanze. Sie wirkt bei mir immer wieder Wunder. 

Wo wir gerade von der Reiseapotheke sprechen: Vidanga ist ein Muss in Regionen, in denen Lebensmittelvergiftungen durch Bakterien oder Amöben häufig sind. Es ist außerhalb von Indien glaube ich sehr schwer zu kriegen, aber wenn du nach Indien reist, empfehle ich dir diese Pflanze sehr! Ich habe so viel Zeit in Indien verbracht und habe mich immer und immer wieder mit Vidanga und Kutaj selbst auskuriert. Vidanga gibt es meistens in Pulverform. Am besten mischst du ca 1/2 TL mit Honig, drei Mal am Tag. Indien ist bekannt für Reisekrankheiten und während fast alle meine Freunde zu Antibiotika gegriffen haben, habe ich immer auf meine ayurvedische Apotheke vertraut und jeden Parasitenangriff schnell und einfach abgewehrt.

Verstopfung ist häufig das Gegenteil von Durchfall: Das Verdauungsfeuer ist schwach und der Metabolismus kraftlos. Hier gilt es, mit wärmenden Gewürzen zu stimulieren. Am besten mit Ingwertee, der in kleinen Schlucken über den ganzen Tag verteilt im 30 Minuten Takt getrunken wird. Auch Trikatu (siehe Erkältung) kann helfen, um die Blockade schnell zu lösen. 

Eins der besten Mittel für eine gesunde Verdauung ist jedoch natürlich eine ausgewogene Ernährung aus frischen, unverarbeiteten Lebensmitteln mit stimulierenden Gewürzen, die auf unsere Konstitution abgestimmt sind. 

Ebenfalls essenziell für eine gesunde Verdauung ist es, regelmäßig zu fasten. Denn alles braucht mal eine Pause – auch unser Verdauungstrakt. Während des Fastens erlauben wir Agni, einmal einen Hausputz im Magen-Darm Trakt durchzuführen, und all die unverdauten Reste zu verarbeiten und Giftstoffe aus dem Körper auszuleiten. Ich faste sehr gern an Ekadasi. Das sind 2 Tage im Monat, die sich energetisch besonders gut für einen Fastentag eignen. 

Ich wünsche dir viel Erfolg dabei, mit der Kombination aus Ayurveda und Yoga deine Gesundheit selbst in die Hand zu nehmen. Denk daran, auf dich selbst zu hören und die Signale deines Körpers so früh wie möglich wahrzunehmen, innezuhalten und bewusst zu entscheiden, was du brauchst. Wenn wir bei den ersten Anzeichen direkt reagieren, können wir die meisten Krankheiten schon im Anfangsstadium wieder abwenden.

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Deine Laura

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