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Kochen mit den Händen

Ihr Lieben, ich habe schon lange kein Rezept mehr mit euch geteilt und habe mich gerade selbst gefragt, warum eigentlich. Und dabei ist mir eins klar geworden: Ich liebe es zu kochen, und ich teile auch von Herzen gern meine Rezepte mit euch, aber die Sache ist, dass ich nie nach Rezepten koche. Wenn ich etwas Leckeres gezaubert habe, weiß ich manchmal hinterher gar nicht mehr genau, was ich eigentlich alles an Zutaten verwendet habe.

Ich koche ganz frei, und schaue, wonach mir ist und dann, was ich gerade in der Küche habe. Je nachdem was ich im Kühlschrank und auf meinen Regalen finde, fange ich einfach an zu kochen.

Ich lasse mich immer von dem inspirieren, was ich gerade im Haus habe und arbeite damit. Es kommt wirklich äußerst selten vor, dass ich mir ein Rezept aussuche und dann genau die Zutaten einkaufe. 

Manchmal lasse ich mich auch von anderen Köchen und Köchinnen im Internet und Kochbüchern inspirieren, aber selten halte ich mich wirklich genau an die Anweisungen. Für mich sind Rezepte eher eine Art Richtlinie aber nichts, woran ich mich haargenau halte. 

Dadurch, dass ich in Mexiko lebe, bekomme ich natürlich auch oft nicht die gleichen Zutaten, wie in den Rezepten vorgegeben sind, und dann bleibt mir nichts anderes übrig als kreativ zu werden mit dem was ich habe. Auch wenn ich vegetarische Rezepte finde, die mir gefallen, wandle ich sie einfach in vegane um. Das Ergebnis ist dann vielleicht etwas anders, als das was der Originalkoch/die Originalköchin gezaubert hat, aber solange es am Ende lecker und gesund ist, bin ich zufrieden.

Ich liebe es mich in der Küche auszutoben und ganz ehrlich – es kommt sehr oft vor, dass ich anfange zu kochen und keine Ahnung habe, was am Ende dabei raus kommt. Manchmal entstehen fantastische Kreationen und manchmal vielleicht Gerichte, die durchaus nahrhaft sind aber vielleicht nicht ganz so fantastisch in der Konsistenz oder im Geschmack. Aber das ist auch okay, denn dann weiß ich, was ich beim nächsten Mal anders machen kann.

Ich möchte dich mit diesem Artikel dazu inspirieren, beim Kochen immer mehr loszulassen und einfach fließen zu lassen, was kommt. Genau wie im Rest des Lebens!

Messbecher und Waagen hole ich wirklich nur selten aus dem Schrank und wenn dann eigentlich nur zum Backen. Wenn ich koche, benutze ich meine Hände zum Messen. 

Das ist eine uralte ayurvedische Technik, die ich gern mit dir teilen möchte. 

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Unser Körper ist Ausdruck der Perfektion der Natur und unsere Hände haben alle Maßeinheiten, die für unseren eigenen Körper richtig sind, bereits integriert.

Die Hände werden in der vedischen Philosophie als eins der 5 Handlungsorgane – Karmendriyas – bezeichnet. Seit Urzeiten werden die Hände benutzt, um Mudras zu formen – Mudras sind Gesten, die mit den Energien des Universums in Einklang fließen und unsere eigenen Energien mit denen des Kosmos vereinen. 

Wenn du deine Hände wie zum Gebet zusammenfaltest, heißt diese Geste Atmanjali Mudra  – Atma ist die Seele, das höchste Licht in uns. Anjali ist ein Gruß. Das Mudra ist wie ein Gruß oder eine Ehrerbietung vor der Seele. 

Das Wort Anjali beschreibt im Ayurveda außerdem die Menge, die deine zwei zu einer Schale geformten Hände halten können. Zwei Anjalis, also zweimal die Menge, die deine zusammengelegten Hände füllt, entspricht der idealen Menge an Getreide und Gemüse für eine volle Mahlzeit, die perfekt auf deinen Körper abgestimmt ist.

Wenn du für andere kochst, kannst du für jede Person 2 Anjalis einplanen, für Kinder ist ein Anjali die richtige Menge. 

Die Kleine Mulde in der Mitte deiner Handfläche entspricht der Menge eines Teelöffels

Wenn du drei Finger nutzt, um eine Prise Salz oder Gewürz zu deiner Mahlzeit hinzuzufügen, entspricht die Menge dieser Geste in etwa einem halben Teelöffel

Mit Hilfe dieser Richtlinien kannst du dich langsam immer mehr von deinen Messbechern, Messtassen und Löffeln entfernen und mehr und mehr auf deinen Körper und deine Intuition vertrauen. 

Versuche dein Getreide und deine Hülsenfrüchte immer mit der Hand abzumessen. Auch wenn du am Anfang vielleicht manchmal zu viel oder zu wenig kochst oder nicht auf Anhieb die richtige Menge Wasser hinzufügst, mit der Zeit wirst du ein Gefühl dafür entwickeln, was genau die richtige Menge ist und auch intuitiv wissen, wieviel Wasser du brauchst.

Auch dein Blattgemüse kannst du mit den Händen klein reißen und deine Gewürze per Hand im Mörser zerreiben.

Du wirst sehen, dass du eine ganz andere Verbindung zu deinem Essen herstellst, je mehr du deine Hände beim Kochen und – wenn du magst – auch beim Essen nutzt. 

Mit den Händen zu essen ist, ist nämlich auch eine fantastische Art und Weise, um mehr Nähe zwischen dir und deinem Essen herzustellen, sodass deine Mahlzeiten noch wohltuender und nährender sind. Denn letztendlich essen wir, um Prana, Lebensenergie, mit der Nahrung aufzunehmen. Im Prozess des Einkaufens, Zubereitens und Kochens können wir selbst durch Achtsamkeit und eine positive Einstellung für eine Prana-reichere Mahlzeit sorgen. Der Kontakt der Hände mit den Zutaten während des Kochens verbindet unsere eigene Energie mit der der Zutaten und sorgt für mehr Harmonie. Auch wenn wir mit den Händen essen, stellen wir noch mehr Nähe her.

Wenn unsere Finger mit dem Essen auf unserem Teller in Berührung kommen, können durch die Berührung direkt Signale ans Nervensystem gesendet werden, die die Konsistenz und Temperatur des Essens beschreiben. Dadurch kann sich der Körper ideal auf die Verdauung vorbereiten. Außerdem essen wir langsamer, wenn wir mit den Händen essen, was ebenfalls für eine bessere Verdauung sorgt. 

Ich möchte dich hiermit dazu einladen, einfach offen für etwas Neues zu sein und auszuprobieren, deine nächste Mahlzeit wie in Indien per Hand zu essen! Ich verspreche dir, es wird dir gefallen. 

Alles Liebe

Deine Laura

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PS: Wenn du Lust hast, mit mir zusammen zu üben, dann sei bei meinen online Iyengar Yoga Klassen dabei. Hier bekommst du mehr Infos.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Suna Ubben

    Liebe Laura,
    mal wieder ein wunderbarer Artikel!
    So handhabe ich das auch und ich denke immer, ich bin die einzige, die so frei und unplanbar kocht und mit den Händen als Maß.
    Mein Mann schüttelt immer den Kopf und kann das überhaupt nicht verstehen.
    Bei mir hat sich das einfach so entwickelt, ohne das ich das bewusst geplant habe…
    Ich fühle mich immer jedesmal bestätigt, wenn ich Artikel von Dir lese.
    Vielen Dank dafür und schön, dass Du Deine Yoga- oder Blogg-Arbeit auch mal hintenanstellst, wenn es in der nächsten Umgebubg gerade soviel anderes, wichtigeres zu tun gibt.
    Ich wünsche Euch da drüben viel Energie für die anstehenden Arbeiten und Hilfe, die ihr leistet.
    Herzliche Grüße und Namasté aus Bayern
    Suna

    1. Laura

      Hallo Suna,

      vielen Dank für deine Nachricht. Schön, dass es bei dir in der Küche auch so läuft wie bei mir 🙂 Wie so oft finde ich, dass auch beim Kochen in der Einfachheit die Schönheit liegt.
      Danke für deine Worte und die guten Wünsche für die Region! Es dauert sicher noch eine Weile, bis in den betroffenen Orten wieder Normalität eintritt, aber bis dahin helfen wir wo wir können.

      Ganz liebe Grüße und alles Liebe für dich
      Laura

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