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Yoga in der Bhagavad Gita

Die Bhagavad Gita gilt als eins der wichtigsten Bücher auf der Erde und ist nicht nur für Hindus von großer Bedeutung. Die Gita ist ein kleiner Teil aus dem Epos Mahabharata, und erzählt wie Krishna, der das Göttliche verkörpert, seinem Freund Arjuna, die Lehre des Yoga teilt. Dies geschieht in mitten eines Schlachtfeldes und Arjuna ist der größte Krieger seiner Zeit, der plötzlich daran zweifelt, in den Krieg zu ziehen. In diesem Moment der Verzweiflung und Verunsicherung teilt Krishna die Weisheiten, die wir heute in der Bahagavad Gita finden, mit ihm.

Die Gita besteht aus 18 Kapiteln und in jedem dieser Kapitel finden wir unterschiedliche Erkenntnisse über Yoga. Ich möchte dir heute zwei Definitionen von Yoga teilen, die Krishna im zweiten Kapitel der Gita nennt:

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samatvaṃ yoga ucyate BG 2.48

Yoga ist Gleichmut

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yogaḥ karmasu kauśalam BG 2.50

Yoga ist gekonntes Handeln

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samatvaṃ yoga ucyate BG 2.48

Yoga ist Gleichmut

Gleichmut ist ein wunderschönes Wort und eine genauso schöne Geisteshaltung. Gleichmut bedeutet, dass wir uns davon frei machen, die äußeren Umstande zu bewerten und entweder mit Verlangen oder Abneigung auf sie reagieren. 

Um unser Überleben zu sichern, ist unser Gehirn seit Jahrtausenden so programmiert, dass wir jede Situation sofort bewerten und als gut oder schlecht einordnen. Nur so konnte vor Urzeiten unser Überleben gesichert werden. Das ist unser ganz tief integrierter Automatikmodus.

Die Bewertung basiert dabei immer auf vergangenen Erfahrungen und eine gute Bewertung bedeutet meistens, dass wir die Situation bereits kennen und wissen, dass wir sie überleben, schlecht bedeutet, es ist Zeit wegzurennen, denn wir kennen diese Situation entweder noch nicht oder wissen, dass sie bedrohlich ist. Das bedeutet also, unser Gehirn hält uns in einem Limbo fest, das auf unseren vergangenen Erfahrungen basiert. Alles was uns in der Vergangenheit gut getan hat, wollen wir und alles, was wir entweder nicht kennen oder was uns geschadet hat, wollen wir nicht.

Es ist also ganz tief in uns verankert, die Dinge nach gut und böse einzuordnen. Und das ganze passiert in Sekundenschnelle. 

Gleichmut ist die Kunst, sich davon frei zu machen. Sich davon zu befreien, automatisch zu kategorisieren und dann entweder mit Verlangen und “ich will mehr davon” zu reagieren oder mit Abneigung und “ich will, dass es sofort weg geht”.

Warum sind diese beiden, Verlangen und Abneigung so schlimm? Beide sind wie ein Fass ohne Boden, die uns unserem Glücklichsein und unserer Zufriedenheit berauben. 

Starten wir mal mit der Abneigung. Wenn wir uns in einer Situation befinden – und dafür gibt es natürlich tausende Beispiele – die wir als schlecht bewerten, und aus der wir uns befreien wollen, beginnen wir zu leiden. Und das ist der wichtige Punkt – Leid entsteht. Durch die Abneigung von dem, was das Leben uns gerade gibt, trennen wir uns von dem Fluss des Lebens und das Ergebnis ist, dass wir leiden.

Wie sieht es mit Verlangen aus? Wenn wir uns in einer Situation befinden, die uns gefällt, dann scheint das auf den ersten Blick doch positiv. So einfach ist es leider nicht:

Denn Verlangen bringt nur vermeintliches Glück. Denn wenn wir etwas wollen, dann ist dieses Verlangen entweder befriedigt, solange wir die Sache haben, oder es wird nicht befriedigt, wenn wir die Sache nicht haben. 

Das gute Gefühl, das entsteht, wenn unser Verlangen befriedigt wird, ist temporär. Das heißt, es geht über kurz oder lang wieder weg. Und was passiert? Wir leiden, weil unser Verlangen nicht befriedigt wird. Wir leiden so lange, bis sich die Situation verändert und unser Verlangen wieder – temporär – befriedigt wird. Und danach fallen wir wieder ins Leiden.

Du siehst also, beide – Verlangen und Abneigung – sorgen für Leid. Gleichmut hingegen ist eine Geisteseinstellung, die das Glück nicht im Außen sucht, sondern weiß, dass es in uns liegt. Wir selbst können Glück in uns erzeugen – unabhängig von der äußeren Welt.

Samatva beschreibt diese Fähigkeit, unabhängig von den äußeren Umständen eine innere Zufriedenheit, Offenheit und Gleichmütigkeit zu entwickeln, die durch nichts verändert werden kann. So entwickeln wir die Fähigkeit, wirklich glücklich zu sein und befreien und von dem ewigen Zyklus aus Verlangen und Abneigung.

yogaḥ karmasu kauśalam BG 2.50

Yoga ist gekonntes Handeln (Yoga is skillful action)

Dies ist meine persönliche Lieblingsdefinition von Yoga. Gekonntes Handeln bezieht sich natürlich nicht nur auf die Asanapraxis und die Zeit, die wir auf der Matte verbringen, sondern auf unser Leben insgesamt. Gekonnt zu handeln in jedem Moment, in allem was wir tun, bedeutet präsent zu sein und jedem einzelnen Moment unsere volle Aufmerksamkeit zu schenken. 

Wenn wir ganz und gar im hier und jetzt sind und jeder noch so kleinen Handlung nicht nur unsere Aufmerksamkeit schenken, sondern auch noch versuchen, unser Bestes zu geben – in all diesen kleinen Momenten, die zusammen unser Leben bilden – das ist Yoga nach dieser Definition. 

Skillful Action ist für mich in meinem Alltag immer wieder eine Erinnerung, die mich in den jetzigen Moment zurückholt. Wenn ich versuche, die Dinge schnell aber nicht so gut zu erledigen oder am besten noch mehrere Dinge gleichzeitig machen möchte – dann geht in mir ein kleines Warnsignal an und erinnert mich daran, dass ich an mich selbst als Yogaschülerin die Erwartung habe, skillful action in mein Leben zu integrieren. Zu jeder Zeit, so gut ich kann. 

Und natürlich geht es nicht darum, immer alles perfekt zu machen. Das ist ein Anspruch, dem niemand gerecht werden kann. Ich denke, es ist viel wertvoller, unser Bestes zu geben. Und das variiert natürlich je nach Situation, Herausforderung und Lebenslage und das ist okay. 

Was für mich der entscheidende Punkt ist, ist dass wir diese Erwartungshaltung an uns selbst entwickeln, in allem was wir tun, unser Bestes zu geben. 

Denn was passiert, wenn wir im hier und jetzt sind und unsere täglichen Aufgaben, ob im Beruf, im Haushalt oder in unseren Beziehungen immer unsere volle Aufmerksamkeit geben? Zum einen ist es unmöglich, dass Stress entsteht, denn Stress entsteht immer im Kopf. Wenn wir jedoch unseren Geist auf das Jetzt fokussieren, gibt es keinen Raum für die Gedanken, die uns aus diesem Moment herausholen. Gekonntes Zeitmanagement gehört hier natürlich auch dazu, aber ich mochte mal behaupten, dass es fast automatisch passiert, wenn wir wirklich den Anspruch an uns haben, immer unser Bestes zu geben. Denn der zweite Punkt ist, dass wir unsere Aufgaben besser erledigen. Besser bedeutet gründlicher aber auch effizienter. 

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Krishna erklärt im zweiten Kapitel das Konzept von Karma Yoga, in diesem Zusammenhang gibt er diese zwei Definitionen von Yoga. Karma Yoga bedeutet, dass wir uns davon befreien, zu handeln, um bestimmte Ergebnisse zu bekommen, sondern dass wir lernen gleichmütig zu sein und uns über diese Erwartungshaltungen hinwegsetzen und zu jeder Zeit gleichmütig und so gut wir können handeln.

Bhagavad Gita, 2. Kapitel, Vers 48:
योगस्थः कुरु कर्माणि सङ्गं त्यक्त्वा धनंजय |
सिद्ध्यसिद्ध्योः समो भूत्वा समत्वं योग उच्यते || २ ४८ ||
yogasthaḥ kuru karmāṇi
saṅgaṃ tyaktvā dhanaṃjaya
siddhyasiddhyoḥ samo bhūtvā
samatvaṃ yoga ucyate
„So handle, Oh Arjuna, und sei fest im Yoga, gib Bindungen auf, und bewahre Gleichmut in Erfolg und Misserfolg. Ausgeglichenheit im Geiste, Gleichmut wird Yoga genannt.“

Bhagavad Gita, 2. Kapitel, Vers 49:
दूरेण ह्यवरं कर्म बुद्धियोगाद्धनंजय |
बुद्धौ शरणमन्विच्छ कृपणाः फलहेतवः || २ ४९ ||
dūreṇa hyavaraṃ karma
buddhiyogāddhanaṃjaya
buddhau śaraṇamanviccha
kṛpaṇāḥ phalahetavaḥ
„Handeln ist dem Yoga der Weisheit weit unterlegen, Oh Arjuna. Nimm Zuflucht bei der Weisheit unglücklich sind die, für die die Früchte Motiv der Handlung sind.“

Bhagavad Gita, 2. Kapitel, Vers 50:
बुद्धियुक्तो जहातीह उभे सुकृतदुष्कृते |
तस्माद्योगाय युज्यस्व योगः कर्मसु कौशलम् || २ ५० ||
buddhiyukto jahātīha
ubhe sukṛtaduṣkṛte
tasmādyogāya yujyasva
yogaḥ karmasu kauśalam
„Der Mensch, der Weisheit besitzt, weist in diesem Leben gute wie auch schlechte Taten von sich; deshalb widme dich dem Yoga; Yoga ist Geschickt im Handeln.“

Übersetzung von vedanta-yoga.de

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Ich empfehle dir von Herzen, einen tieferen Blick in die Gita zu werfen, sie ist eine enorme Bereicherung für jede*n Yogaschüler*in.

Alles Liebe

Deine Laura

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PS: Wenn du Lust hast, mit mir zusammen zu üben, dann bist du herzlich eingeladen, mittwochs bei meinen online Iyengar Yoga Klassen dabei zu sein. Hier bekommst du mehr Infos.

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