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Mantra

kosmische Vibration

Mantra ist Sanskrit und wird oftmals als heilige Silbe, Satz oder Wort übersetzt. 

Wie immer im Sanskrit gibt es jedoch auch andere Übersetzungen und mehrere Bedeutungen des Wortes Mantra. 

Mantra bedeutet auch Wiederholung. In der vedischen Tradition werden Mantren genutzt, um den Verstand zu disziplinieren. Die Mantren werden dafür immer und immer wieder wiederholt. Oft werden dabei auch sogenannte Malas eingesetzt. Malas sind Ketten aus klassisch 108 kleinen Samen oder Perlen, wie du sie im Bild siehst, die für diese Art der Mantra Meditation verwendet werden. Während die Finger langsam von einem Samen zum nächsten gleiten, wird das Mantra bei jedem Samen im Geist wiederholt. Diese Art der Meditation wird Japa genannt.

Eine andere Definiton des Wortes Mantra hat mir mein Philosophielehrer Siddharta Krishna gegeben. Er lernt die vedischen Schriften seit seinem vierten Lebensjahr und ist ein hoch anerkannter Gelehrter des Sanskrit. Er übersetzt Mantra als Ratschlag. Ein gut gemeinter Ratschlag hat den Zweck, uns vor etwas zu schützen. Meistens davor einen Fehler zu begehen, den wir vermeiden können, wenn wir den Ratschlag befolgen. Ein Mantra hat auch den Zweck uns zu schützen. Mantren schützen den Verstand davor, sich in alle Richtungen zu zerstreuen und den Fokus zu verlieren. Ein Mantra im Geist zu halten, bewahrt uns vor negativen Gedanken und Emotionen und hält uns auf dem Weg des Yoga.

Mantren sind also Instrumente oder Werkzeuge, die den Geist schulen und fokussieren und uns davor schützen, zerstreut und abgelenkt zu sein. 

Gleichzeitig spielt natürlich auch die Sprache eine wichtige Rolle. Was ist Sprache? Sprache, in Form von Tönen, ist letztendlich eine Frequenz, eine Vibration. Die Rishis und Gelehrten, die vor tausenden von Jahren gelebt haben, waren sich über die Kraft der Frequenz ihrer Worte bewusst. Heute bestätigt uns die Quantenphysik, das uralte Wissen, dass alles aus Energie und somit aus Frequenz besteht. 

Es gibt zahlreiche sehr spannende Experimente, die uns zeigen, wie kraftvoll die Vibration und Intention unserer Worte ist. Eins davon ist die Arbeit des Japaners Masaru Emoto, der Wasser in Gläser füllte und diese Gläser mit unterschiedlichen Etiketten versah. Er benutze Wörter wie Liebe, Frieden aber auch Hass oder Krieg. Er besprach die Wassergefäße mit ihren entsprechenden Wörtern und hielt anschließend die Form der Wasserkristalle mit Hilfe von Kristallfotografie fest. Das Ergebnis ist beeindruckend: Die Wassergefäße, die mit positiven Worten versehen waren, zeigten harmonische, gleichmäßige und heile Wasserkristalle. Das Wasser mit den negativen Worten zeigte zerrissene, kaputte und disharmonische Kristalle.

Mantren kombinieren das Wissen über die Kraft der Frequenz, mit den uralten Weisheiten aus den heiligen Schriften. Wenn wir zusätzlich noch eine kraftvolle Intention für unsere Mantrameditation wählen, kann dies zu einer powervollen spirituellen Praxis werden. 

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Sanskrit 

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Sanskrit ist eine ganz besondere Sprache und wird auch die Sprache der Götter genannt.

Die vedischen Schriften, aus denen die Mantren stammen, wurden auf Sanskrit verfasst. Es heißt, dass jeder Ton des Alphabets in Sanskrit mit einer ganz bestimmten kosmischen Vibration resoniert und uralte Erinnerungen tief in unserem Unterbewusstsein aufweckt. 

Laut der vedischen Tradition wurde Sanskrit vom Gott Brahma erschaffen und von Brahma an die Rishis in ihren Meditationen weitergegeben. Ob wir an diese Dinge glauben oder nicht, bleibt natürlich jedem selbst überlassen. 

Was allerdings unumstritten ist, ist die Tiefe dieser poetischen Sprache und die Komplexität ihrer Grammatik. Viele Wörter in Sanskrit können auf Deutsch mehrere teilweise konträre Bedeutungen haben. Wenn dann ganze Schriften übersetzt werden, liegt es oft in der Hand des Übersetzers, wie die Texte letztendlich interpretiert werden. Deshalb gibt es so viele verschiedene Kommentare zu den vedischen Schriften. 

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Invokation an Patanjali

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Besonders zu Beginn einer Yoga Klasse werden in vielen Traditionen das Pranava Mantra OM und/oder andere Mantren gesungen. Im Iyengar Yoga starten wir weltweit mit der Invokation an Patanjali, der als Vater des Yoga gilt. Dieses Mantra zu Beginn der Klasse, bedeutet nicht, dass Patanjali für alle Iyengar Yoga Schüler*innen als Gott gilt und wir zu ihm beten, denn Yoga ist universell und für alle Menschen und alle Religionen.

Es ist viel mehr ein Moment der Demut vor dem Wissen des Yoga, das über tausende von Jahren von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Mit der Invokation an Patanjali erkennen wir die Yogis und Lehrer der Vergangenheit an, und öffnen uns in Dankbarkeit dieser Lehre.

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yogena cittasya padena vācāṁ 

malaṁ śarīrasya ca vaidyakena  

yo’pākarot taṁ pravaraṁ munīnāṁ 

patanjaliṁ prānjalir ānato’smi 

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ābāhu puruṣākāraṁ 

śaṅkhacakrāsi dhāriṇam 

sahasra śirasaṁ śvetaṁ 

praṇamāmi patañjalim 

hariḥ oṁ

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Übersetzung: Ich verneige mich vor dem Nobelsten aller Weisen, Patanjali, der Yoga für die Ruhe des Geistes, Grammatik für die Reinheit der Sprache und Medizin zur Perfektion des Körpers gab.

Ich verneige mich vor Patanjali, dessen Oberkörper eine menschliche Form hat, dessen Hände eine Muschelschale, eine Scheibe und ein Schwert halten, der eine tausendköpfige Kobra als Krone hat, eine Inkarnation von Adishesha, mein Respekt richtet sich an ihn.

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Om

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In Anfängerklassen wird manchmal die Eröffnung der Klasse mit dem kompletten Mantra mit dem Mantra OM ersetzt, da es für Anfänger vielleicht etwas ungewohnt sein kann, direkt mit dem langen Mantra in einer fremden Sprache zu beginnen. 

Das Mantra OM gilt als das höchste und heiligste aller Mantren, denn es heißt, dass das gesamte Universum aus der Vibration des OMs erschaffen wurde – es ist der Urton allen Lebens. Somit sind alle Vibrationen, Töne und Mantren, die es überhaupt gibt, im Mantra Om enthalten. 

Es wird auch Pranava Mantra genannt, was so viel wie „das höchste Gebet“ bedeutet. 

Das lateinische Wort omne, und OM stammen von derselben Wurzel, die „Alles“ bedeutet. OM übermittelt das Konzept der Omnipräsenz, Omnipotenz und Omniszienz – Allgegenwärtigkeit, Allmächtigkeit und Allwissenheit.

Das Mantra OM besteht aus den drei Silben A, U und M. Diese drei werden in der vedischen Philosophie auf mehrere Arten interpretiert. 

Sie stehen unter anderem für die drei Zustände des Geistes – Wachsein, Träumen und Schlafen, und die drei Silben zusammen stehen für den vierten Zustand – die Erleuchtung oder Samadhi. 

Sie stehen auch für die drei Gunas, die Qualitäten der Natur, und das OM steht dafür, diese Gunas zu überkommen. A, U und M stehen auf für die drei Zeiten, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und alle drei Silben im Om vereint stehen für die Unendlichkeit.

Om ist ein Instrument, um den Geist in einen Zustand von Ekagrata zu versetzen. Ekagrata bedeutet unidirektional. Das gemeinsame Rezitieren des Mantras Om am Anfang der Yogastunde hilft den Schüler*innen, sich zu fokussieren und im jetzigen Moment anzukommen. Die Vibration, die im Körper erzeugt wird, wirkt beruhigend auf das Nervensystem und hilft, den Geist in einen wachsamen Zustand des Beobachtens zu versetzen, den wir brauchen, um Yoga zu lernen. 

Tipp: Eine kraftvolle Praxis, um die Power des OMs wirklich zu spüren, ist für mindestens 15 Minuten, gern länger, ohne Pause mit jeder Exhalation das Mantra laut zu chanten. Atme ganz ruhig und tief ein und lass mit jeder Ausatmung dein gesamten Körper in der Vibration des Mantras baden. Die Effekte auf das Nervensystem, den Geist und den Körper sind beeindruckend!

Ich hoffe, dir hat dieser Artikel gefallen und dass du viel für dich mitnehmen konntest. Yoga geht weit über die Asanas hinaus und je mehr wir uns mit den verschiedenen Aspekten des Yoga beschäftigen, umso ganzheitlicher wird unsere Entwicklung.

Hab einen wunderbaren Tag!

Alles Liebe

Deine Laura

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PS: Wenn du Lust hast, mit mir zusammen zu üben, dann bist du herzlich eingeladen, mittwochs bei meinen online Iyengar Yoga Klassen dabei zu sein. Hier bekommst du mehr Infos.

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