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Yoga für die Frau

„When this body has been so magnificently and artistically created by God, it is only fitting that we should maintain it in good health and harmony by the most excellent and artistic science of Yoga.“ 

Geeta S. Iyengar  in Yoga: A Gem for Women

Geeta Iyengar war eine wunderbare Frau, Lehrerin und Inspiration für alle Yogis und vor allem Yoginis dieser Welt.⠀⠀⠀⠀⠀⠀

Geeta hat Yoga für die Frau tief geprägt und beeinflusst und ihr Beitrag auf diesem Gebiet ist ein riesiges Geschenk für uns Frauen. Sie war eine der ersten weiblichen Yogalehrerinnen, die die Asana Praxis and die Bedürfnisse und Lebensphasen der Frauen anpassten. 

Sie studierte und erforschte im Detail jede der Etappen, durch die eine Frau im Laufe ihres Lebens geht und teilte ihre wertvollen Erkenntnisse mit ihren Schülerinnen. Sie erkannte, wie wichtig es ist, die Yogapraxis an die Bedürfnisse des Körpers anzupassen und begleitete zahlreiche Frauen in den wichtigsten biologischen Meilensteinen einer Frau – Menstruation, Schwangerschaft, Mutterschaft und Menopause. 

Durch ihren enormen Wissensreichtum auf den Gebieten Yoga und Ayurveda half sie ihren Schülerinnen, Asana und Pranayama gezielt einzusetzen, um den Körper und seine komplexen und sensiblen Zyklen zu unterstützen und sowohl körperlich als auch mental Wohlbefinden und Balance zu erzeugen. 

Besonders die Menstruation ist ein kritisches Thema – etwas das viele Frauen als Last oder sogar als Bestrafung ansehen, anstatt als Ausdruck ihrer Weiblichkeit und Schöpferkraft. 

Leider ist es in unserer Gesellschaft nicht üblich, offen über die Menstruation zu sprechen – was wirklich absurd ist, wenn man bedenkt, dass die Hälfte der Menschheit den größten Teil ihres Lebens jeden Monat ihre Tage hat. Deswegen bin ich der Iyengar Familie wirklich dankbar, dass sie so viel Licht in dieses Gebiet gebracht hat.

Denn Yoga sollte immer den Zweck haben, uns körperlich und geistig zu unterstützen. Egal was die Dynamik des jeweiligen Moments verlangt, also ob wir uns zum Beispiel gerade kraftvoll oder schwach fühlen, ob wir viel reisen oder viel sitzen, ob wir gesund oder krank sind, fröhlich oder traurig etc. – Yoga kann uns in jeder dieser Situationen als Werkzeug dienen, wenn wir es gekonnt einsetzen. 

Deshalb ist es nur natürlich, auch im Yoga im Detail auf den Menstruationszyklus einzugehen. Im Iyengar Yoga wird sehr offen mit der Menstruation umgegangen und anerkannt, dass Frauen zu diesem Zeitpunkt besondere Bedürfnisse haben, die erfüllt werden möchten. Aus biologischer Sicht ist der monatliche Zyklus ein hochkomplexer Vorgang, der oft auch mit vielen emotionalen und körperlichen Schwierigkeiten einhergeht. Wenn wir hier lernen, die Asanas richtig einzusetzen, kann Yoga wie Medizin sein, um diese Symptome zu lindern und mit der Zeit sogar verschwinden zu lassen. Aber auch für diejenigen, die keine Probleme während ihrer Periode haben, ist Yoga ein wertvolles Werkzeug, um dem Körper Ruhe und Erholung zu gönnen.  

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Dank Geetas Lehre können wir lernen, Yoga als kraftvolles Werkzeug einzusetzen und unsere tägliche Praxis nach unserem inneren Zyklus ausrichten. Sie gibt simple und kraftvolle Regeln, die die tägliche Praxis an den Hormonhaushalt und die Bedürfnisse einer Frau anpassen. Über den ganzen Monat hinweg können wir der von ihr entwickelten Sequenz folgen – mit dem Ergebnis, dass wir viel mehr mit uns selbst in Verbindung kommen und die Signale unseres Körpers besser verstehen und spüren können. 

Ich selbst übe seit vielen Jahren in Einklang mit Geetas Lehre und die starken Regelbeschwerden, die ich früher hatte, sind so gut wie weg und wenn ich doch noch mal Probleme habe, dann weiß ich, was ich tun kann. Asana und Pranayama sind meine Tools geworden, die mich über den ganzen Monat hinweg begleiten. 

Hier sind ein paar der wertvollsten Dinge, die ich von ihr und von meinen Lehrer*innen, die ihre Lehre teilen, gelernt habe: 

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1)Die Menstruation ist immer das Ergebnis des ganzen Monats 

Der Menstruationszyklus beginnt mit dem ersten Tag der Periode und über die nächsten 28 Tage, bis zum nächsten Zyklusbeginn, läuft ein hochkomplexes Programm in unserem Körper ab. Dieses Programm wird von Hormonen gesteuert, die wiederum von unserem Lebensstil und unseren Emotionen beeinflusst werden können. Je nachdem, wie wir uns den Monat über verhalten und fühlen, wird unsere nächste Periode entweder entspannt oder angespannt ablaufen.

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2) Jede Phase des Zyklus braucht ein andere Asana-Praxis

Wenn wir verstehen, was die Bedürfnisse unseres Körpers während jeder der verschiedenen hormonellen Phasen des Monats sind, dann können wir unser Verhalten gekonnt anpassen, indem wir Yoga gezielt als Werkzeug einsetzen, um den Hormonhaushalt auszubalancieren und den Körper in seinem Prozess zu unterstützen.

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3) Während der Blutung gilt es zur Ruhe zu kommen

Jeder Zyklus in der Natur hat eine extrovertierte, energetische Phase, und eine introvertierte Phase der Ruhe. Als Beispiel: Der Sommer ist voller Lebensfreude und wir wollen raus gehen und Dinge unternehmen. Der Winter lädt aber eher dazu ein, lang auszuschlafen und es sich zu Hause gemütlich zu machen. Mit dem weiblichen Monatszyklus ist es genauso. Die Ovulation ist der Moment, in dem wir voller Kraft und Energie sind und die Menstruation ist quasi unser Winter. Es ist der Moment, in dem wir uns Ruhe gönnen dürfen, reflektieren können und neue Kraft für den nächsten Zyklus sammeln können. Uns diese Pause zu nehmen, ist enorm wichtig, um auf Dauer Gesundheit und Balance zu fördern und in Einklang mit unseren eigenen inneren Zyklen zu leben.

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4) Umkehrhaltungen sind enorm wertvoll für die Balance des Hormonhaushalts

Über den Monat sollten wir jeden Tag Kopf- und Schulterstand üben, denn nichts hat so einen positiven Effekt auf das Hormonsystem, wie die Umkehrhaltungen. Eine regelmäßige Praxis von Sirsasana und Sarvangasana und ihren Variationen sorgt auf Dauer für einen ausgeglichenen Hormonhaushalt.

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5) Sie sollten jedoch niemals während der Blutung geübt werden

Während der Menstruation sollten Umkehrhaltungen aller Art jedoch unbedingt vermieden werden. Das hat mehrere Gründe. Zum einen wirkt aus energetischer Sicht eine Kraft, die wir Apana Vayu nennen. Das ist eine Kraft, die vom Körper zur Erde hin fließt. Apana Vayu ist während der Menstruation verstärkt, um den Fluss des Blutes aus dem Körper heraus zu unterstützen. Wenn wir nun Umkehrhaltungen üben, stoppen wir Apana Vayu, was die natürlichen energetischen Zyklen stört und den Menstruationsfluss blockiert. Und eine wichtige Regel im Ayurveda lautet auf gut Deutsch: Was raus muss, muss raus. Wir sollten niemals den natürlichen Ruf unseres Körpers unterdrücken und ihn daran hindern, aus dem Körper zu werfen, was er loswerden möchte, denn das kann zur Ansammlung von Giftstoffen und zur Entstehung von Krankheiten führen.

Zum anderen ist es auf rein physiologischer Sicht auch sehr kritisch, während der Menstruation Umkehrhaltungen zu üben. Denn das Blut, was normalerweise aus dem Körper rausfließen sollte, kann nun zurück in den Uterus fließen und dort im schlimmsten Fall Infektionen auslösen. 

Also bitte vermeidet unbedingt alle Arten von Umkehrhaltungen während der Periode.

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6) Schaffe Raum in der Hüfte während der Menstruation

Während der Menstruation sollten wir ruhige Asanas üben und uns darauf konzentrieren, Raum in der Hüfte und im Unterleib zu schaffen, um dem Körper Platz zu geben, sodass die Menstruation problemfrei ablaufen kann. Upavistha Konasana und  Baddha Konasana funktionieren hier sehr gut. Für mentale Balance können Vorwärtsbeugen mit Hilfsmitteln geübt werden.

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7) In manchen Zyklusphasen dürfen wir uns selbst herausfordern, in anderen zur Ruhe kommen: Es gibt für alles den richtigen Moment

Aufgrund der verschiedenen Hormone und ihrer Zyklen gibt es Momente während des Monats, in denen wir besonders flexibel sind, aber nicht so stark. In anderen Momenten sind wir besonders stark aber vielleicht weniger flexibel. Wenn wir diese feinen aufs und abs des Körpers verstehen und lernen wahrzunehmen, können wir die Asanas gekonnt und zielgerichtet einsetzen, um mit unseren inneren Zyklen in Einklang zu leben.

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8) Es gibt für jede Situation genau die richtigen Asanas

Egal wie du dich fühlst – Asanas können immer helfen. Manchmal, wenn wir uns mental schwer und müde fühlen, hilft es am besten, eine körperlich aktive und schnelle Übungseinheit zu machen, um Körper und Geist in Schwung zu bringen. Sonnengrüße können hier toll funktionieren. In anderen Momenten fühlen wir uns vielleicht überhaupt nicht danach, uns zu bewegen – dann können wir eine ruhige Einheit machen oder Pranayama nutzen. Es gibt jedoch kaum eine Situation, in der Yoga nicht helfen kann!

Iyengar Yoga ist kein willkürliches Aneinanderreihen von Asanas, sondern eine tief gehende Wissenschaft, die auf dem Verständnis des eigenen Körpers, der Natur und der uralten vedischen Philosophie beruht. 

Ein Meer an Wissen, für dessen erwerb ein Leben bei weitem nicht ausreicht.

Ich hoffe sehr, dass dir der Beitrag gefallen hat und du etwas daraus für dich mitnehmen konntest! Schreib mir gern in die Kommentare, wenn du Fragen oder Anmerkungen hast. 

Ich wünsche dir einen tollen Tag! 

Alles Liebe

Deine Laura

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PS: Geetas Bücher sind eine wahre Goldgrube: „Yoga für die Frau“, „Yoga in Bewegung“,  „Iyengar Yoga für Mütter und werdende Mütter“ und „Iyengar Yoga in der Menopause“ sind tolle Nachschlagewerke und bieten wertvolle Anleitung für die Yogapraxis. 

Auch sehr gut sind die Bücher „The Woman’s Yoga Book“ von Bobby Clennell und „Geeta S Iyengar’s Guide to a Woman’s Yoga Pracice“ von Lois Steinberg.

Noch ein Tipp: Hier findest du ein sehr wertvolles PDF zum download – es handelt sich um eine Mitschrift von einer Vorlesung, die Geeta im Jahr 2002 in Polen gegeben hat. Dieses Dokument behandelt die Praxis der Frau während des ganzen Monats und ist sehr informativ und nützlich für alle Yoginis und Yoga Lehrer*innen.

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Und wenn du Lust hast, mit mir zusammen zu üben, dann bist du herzlich eingeladen, mittwochs bei meinen online Iyengar Yoga Klassen dabei zu sein. Hier bekommst du mehr Infos.

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