UrdhvaDhanurasana

Neun Tipps für deine eigenständige Yogapraxis

Wenn wir neu auf dem Yogaweg sind, ist zuerst einmal alles ganz spannend und aufregend. Wir gehen zu Klassen und freuen uns über unsere Fortschritte. 

Irgendwann kommt dann der Moment, in dem wir bereit sind, selbstständig zu üben. Yogaklassen haben den Zweck, dir als Schüler oder Schülerin beizubringen, welche Asanas es gibt, wie du sie sicher und richtig ausführst und letztendlich auch, wie du die Asanas selbstständig üben kannst. Am Anfang ist es selbstverständlich völlig okay, dein Üben auf die Klassen zu beschränken, wenn du dich noch nicht bereit fühlst, allein deine Matte auszurollen und dich so durch die Übungen zu führen, wie es normalerweise dein Lehrer oder deine Lehrerin tut. 

Aber irgendwann sollte der Moment kommen, in dem du anfängst, neben deinen Klassen auch allein zu üben. Warum? Weil du erst jetzt wirklich beginnst, das Gelernte für dich zu integrieren

Als ich mit Iyengar Yoga begonnen habe, war ich in Indien und hatte das enorme Glück, dass es in meiner Schule jeden Abend eine Yogaklasse gab und zusätzlich jeden Morgen das Yogazentrum zum freien Üben geöffnet war. Und es war nicht nur eine nette Geste meiner Lehrerin, uns das Yogastudio am Morgen zu öffnen, sondern sie erwartete, dass wir anwesend sind. Sie erklärte uns immer wieder, dass die Klassen dazu dienen, neues Wissen zu vermitteln und dass es als Yogaschüler und Yogaschülerinnen unsere Aufgabe ist, dieses Wissen auch anzuwenden. Denn wenn wir es nicht anwenden – wozu das Ganze?! 

Am Anfang ist es nicht leicht, allein zu üben, diszipliniert und fokussiert zu sein. 

Deshalb möchte ich heute mit dir meine 9 besten Tipps teilen, um eine dauerhafte und eigenständige Yogapraxis für dich zu etablieren. Ich teile mit dir, wie du am besten loslegst, worauf du achten solltest und wie du motiviert bleibst.

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Meine 9 besten Tipps für dich:

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1) Nimm Klassen

Der erste Punkt ist – nimm Klassen! Das klingt vielleicht etwas paradox – es ist aber absolut wichtig, regelmäßig Unterricht zu nehmen und dann zusätzlich eine eigenständige Praxis zu entwickeln. Denn nichts geht über das geschulte Auge eines guten Lehrers /einer guten Lehrerin, der/die sieht, was dir fehlt und dich gekonnt leiten kann. Deshalb empfehle ich dir unbedingt, regelmäßig Klassen zu nehmen, sodass du Feedback bekommen kannst. Das funktioniert auch online gut. 

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2) Such dir eine gute Lehrerin / einen guten Lehrer

Und damit kommen wir zu Punkt zwei – such dir eine/n gute/n (!) Lehrer/in. Finde jemanden, der oder die sich wirklich mit Yoga auskennt und dich inspiriert. Frag ihn oder sie nach ihrer/seiner Ausbildung und wie oft er/sie selbst übt. Ein guter Lehrer/eine gute Lehrerin sollte selbst allen voran Schüler/in auf dem Yogaweg sein, Unterricht nehmen und eigenständig üben. 

Es ist leider heutzutage sehr im Trend, eine einmonatige Yoga Lehrer Ausbildung zu machen. In einem Monat Teacher Training kann meiner Meinung nach niemand lernen, wie Yoga sicher und hochwertig unterrichtet wird. Es gibt jedoch auch gute Ausbildungen, in verschiedenen Yogastilen. Die Iyengar Yoga Lehrer Ausbildung beispielsweise dauert beispielsweise ungefähr 3 Jahre und ist sehr umfangreich und streng, sodass die neuen Lehrer/innen genau wissen, wie sie diese Lehre an ihre Schüler/innen weitergeben.

Tipp: Auf der Seite des Iyengar Yoga Deutschland e.V. findest du eine Liste der zertifizierten Iyengar Yoga Lehrer in Deutschland (hier geht’s zur Liste).

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3) Wiederhole genau das, was du in der Klasse gelernt hast

Und damit kommen wir zu dem wichtigstem Schritt, um selbstständig zu üben: Wiederhole genau das, was du in der Klasse gelernt hast. Am Anfang ist es nicht leicht, allein zu üben, diszipliniert und fokussiert zu sein. Aber der wichtigste Punkt hier ist: Übe genau das, was du in deiner Klasse gelernt hast. Wiederhole alles was du im Unterricht gemacht hast, so detailliert wie möglich. Schau, an wie viel du dich erinnerst. Und übe die Dinge, die dir schwer fallen, besonders gründlich. Wichtig ist, dass es am Anfang nicht darum geht, dir etwas eigenes auszudenken, sondern das Gelernte in dir zu verankern.

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4) Mach dir Notizen nach deinem Unterricht

Ich schreibe nach jeder Stunde, die ich als Schülerin nehme, genau auf welche Asanas wir geübt haben. Am Anfang waren meine Notizen auf die Asanas selbst begrenzt, aber mit der Zeit begann ich auch aufzuschreiben, auf welche Aktionen wir uns fokussiert haben. Diese Notizen können enorm hilfreich sein, um zu beginnen allein zu üben. Mittlerweile sind meine Notizbücher aus Indien fast schon heilig für mich, denn sie bringen mich auch Jahre später zurück in genau diese eine Klasse und helfen mir enorm, wenn mir mal die Inspiration fehlt. Nur ein kurzer Blick auf eine oder zwei Klassen und ich will sofort loslegen!  

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5) Finde deine Motivation

Such dir etwas, das dich motiviert. Es kann zum Beispiel das Gefühl danach sein oder ein Bild vor deinem inneren Auge, wie du als alter Mensch kraftvoll durch dein Leben tanzt. Es kann ein starker und flexibler Körper sein oder dass du mit mehr Achtsamkeit und Leichtigkeit durch dein Leben gehst. Hauptsache ist, du findest etwas, das dich motiviert, um loszulegen!

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6) Lies Bücher

Wie gesagt, ich glaube es ist essenziell wichtig, sich von einem guten Lehrer oder einer guten Lehrerin begleiten zu lassen, aber: Ein gutes Buch ist besser als ein schlechter Lehrer! Und es gibt fantastische Bücher über Yoga. Ich stelle dir hier 3 sehr wertvolle Werke vor, die dir beim Üben helfen können: 

Die Yoga-Bibel schlechthin ist das detaillierte Nachschlagewerk „Licht auf Yoga“ von BKS Iyengar. Ich selbst habe es immer dabei, wenn ich verreise und nutze es regelmäßig während meiner Yogapraxis. Es ist weltweit das wichtigste Buch über die Ausführung der Asanas und wird von Lehrern aller Yogastile verwendet.

„Yoga – der Weg zu Gesundheit und Harmonie“ von BKS Iyengar ist auch ein beliebtes Lehrbuch mit vielen Sequenzen und Bildern zu den einzelnen Asanas, das sich sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene perfekt eignet.

Außerdem gibt es von Geeta Iyengar zwei tolle Guides mit praktischen Anweisungen: „Yoga in Bewegung“. Es gibt sowohl einen Anfängerkurs, als auch einen Fortgeschrittenenkurs. 

Es gibt natürlich noch viele mehr, denn sowohl BKS Iyengar als auch seine Kinder Geeta und Prashant haben zahlreiche sehr wertvolle Bücher geschrieben. 

Auf der Seite des Iyengar Yoga Deutschland e.V. (klick hier) findest du eine ausführliche Literaturliste.

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7) Such dir Gleichgesinnte

Schau, ob du Menschen in deiner Umgebung findest, mit denen du dich austauschen kannst und einfach über Yoga sprechen kannst. Das können zum Beispiel andere Schüler/innen aus deinem Yogastudio sein. Frag sie, warum sie Yoga machen und was sie motiviert. Ich bin sicher, du wirst inspirierende Antworten bekommen! 

Vielleicht könnt ihr euch sogar zum gemeinsamen üben verabreden. Das kann sowohl vor Ort als auch online stattfinden. Ihr könnt dann gemeinsam in einem (virtuellen) Raum jeder für sich in Stille üben – und wenn einer von euch Hilfe braucht, unterstützt ihr euch gegenseitig. Für mich war es enorm inspirierend, in einem Raum mit 60 Menschen zu sein, die alle in Stille und Konzentration ihrer eigenen Praxis nachgingen. Also schau, ob du für dich eine Partnerin oder einen Partner findest, sodass ihr euch gegenseitig motivieren könnt.

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8) Finde deine Routine

Wähle feste Zeiten für deine Yogapraxis. Wähle zu Beginn nur einen Tag der Woche und nimm dir fest vor, an diesem Tag zu einer bestimmten Zeit zu üben. Mach einen festen Termin mit dir selbst und lass nichts dazwischen kommen. Am Anfang ist einmal die Woche völlig ausreichend und dann kannst du langsam mehr Tage hinzufügen. Um die Motivation nicht zu verlieren, empfehle ich dir, langsam und stetig zu starten. Versuche nicht von 0 auf 100 zu kommen, jeden Morgen um 5 aufzustehen, um 2 Stunden Yoga zu machen. Das hältst du vielleicht ein paar Tage, vielleicht ein paar Wochen durch, aber dann kommt die Erschöpfung. Es ist besser langsam und stetig zu beginnen und dann mit der Zeit mehr Tage zu integrieren. 

Die Tageszeit ist dabei ganz egal. Ob du morgens oder abends übst, spielt keine Rolle, solange es für dich funktioniert. Mir hilft es enorm, jeden Tag zur gleichen Zeit zu üben. Ich persönlich übe immer früh morgens, denn dann ist mein Kopf noch frisch und ich kann die Energie aus meiner Praxis mit in den Tag nehmen. Aber auch am Abend ist eine gute Zeit zum üben. Wichtig ist, dass du mindestens 2 Stunden vorher nichts gegessen hast, also plane deine Mahlzeiten dementsprechend. Routinen sind einfach eine Hilfe, damit du im Laufe des Tages die wichtigen Dinge nicht aus den Augen verlierst.

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9) Hilfsmittel

Jeder Mensch in jeder Lebenslage kann Yoga machen. Die Hilfsmittel sind dabei eine enorme Hilfe, um die Übungen korrekt auszuführen oder für uns zugänglich zu machen. Am Anfang kannst du mit dem was du zu Hause hast, anfangen. Du brauchst kein volles Yoga Studio, um zu üben. Ich habe schon Tische, Küchenstühle, Betten, Besenstiele und Mülleimer in meiner Praxis verwendet!

Wenn dir dein Lehrer oder deine Lehrerin in der Klasse Übungen mit Hilfsmitteln gezeigt hat, und du dich gut erinnerst, welchen Zweck die Props erfüllen sollen, dann nutze das, was du zu Hause hast, um die Übung zu wiederholen. Wenn du nicht genau weißt, wie du die Hilfsmittel einsetzt, dann frag am besten bei deiner Lehrerin/ deinem Lehrer nach und übe das, was du bereits kennst.

Das waren meine 9 besten Tipps, um eine stabile, eigenständige Yogapraxis zu etablieren. Ich hoffe von Herzen, dass sie dir helfen! Für mich hat Yoga wirklich erst begonnen, als ich gelernt habe, selbstständig zu üben und ich hoffe, dir fällt es mit diesen Tipps gleich viel leichter, loszulegen. Ich wünsche dir alles Liebe und viel Spaß beim üben! 

Hab einen wunderbaren Tag!

Alles Liebe

Deine Laura

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PS: Wenn du Lust hast, mit mir zusammen zu üben, dann bist du herzlich eingeladen, mittwochs bei meinen online Iyengar Yoga Klassen dabei zu sein. Hier bekommst du mehr Infos.

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