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Mein Weg zur Lehrerin

Der Weg zur Iyengar Yoga Lehrerin war für mich eine spannende und lehrreiche Reise, von der ich dir heute erzählen möchte. 

Ich bin seit 2020 von RIMYI zertifiziert und liebe es zu unterrichten und meine Schüler*innen für Iyengar Yoga zu inspirieren und sie dazu zu motivieren, ihr Leben nach ihren eigenen Vorstellungen zu gestalten.

Meine ersten Berührungen mit Yoga hatte ich während meiner Reisen nach dem Bachelorstudium. Ich war in Mittelamerika unterwegs und habe mich rasend schnell verändert. All die spannenden Menschen, die ich getroffen habe, all die Gespräche, die ich geführt habe und all die neuen Eindrücke haben so viele Fragen in mir aufgeworfen. Vielleicht warst du auch schon mal länger auf Reisen und weißt wovon ich spreche. Es gibt kaum eine wertvollere Erfahrung, als allein durch die Welt zu ziehen.

Irgendwie geriet ich in dieser Zeit immer wieder an Menschen, die von Meditation, Buddhismus, Chakren und Yoga sprachen. Alles in mir räsonierte mit den Geschichten, die sie mir erzählten und ich war so neugierig, mehr zu lernen.

Ich begann, mein nächstes Reiseziel immer nach dem gleichen Kriterium auszuwählen: Gibt es eine Yogaschule? Ich machte alle möglichen Workshops und Kurse mit und lernte das erste Mal die Kraft der spirituellen Weiterentwicklung kennen. 

Ich hatte ganz ehrlich die meiste Zeit überhaupt keine Ahnung, was überhaupt gerade mit mir passierte, aber ich wusste, dass es mir unglaublich gut tat in diese neue Welt einzutauchen. Und das war es wirklich: eine neue Welt. Ich konnte gar nicht verstehen, dass ich die ersten 22 Jahre meines Lebens überhaupt gar nichts über die östlichen Weisheiten gewusst hatte. Wieso wird das denn nicht in der Schule unterrichtet?!

In mir wurde auf dieser Reise in Mittelamerika etwas aufgeweckt, dass ich nicht mehr ignorieren konnte. Ich hatte so viele Fragen und spürte, wie schnell ich mich veränderte. Ich ließ meinen Platz für ein Masterstudium an der Uni Bremen in Meeresbiologie sausen und flog mit meinem jetzigen Mann nach Indien. Zu Hause war das Drama groß. Auch wenn für meine Familie alle Alarmglocken angingen, als ich verkündete, dass ich anstatt zurück in die Uni zu gehen, mit meinem neuen Freund („und wer ist überhaupt dieser mexikanische Hippie?!“ ) nach Indien fliegen wollte, fiel mir die Entscheidung trotzdem leicht. Der Ruf in meinem Inneren war einfach so laut, dass ich gar nicht anders konnte. 

In Indien machten wir ein 200h Yoga Teacher Training. Du hast dieses Format bestimmt auch schon mal gesehen, oder vielleicht selbst schon an einem teilgenommen. Diese TTC’s sind kurze, intensive Programme, in denen du in Windeseile zu einem Yoga Lehrer gemacht wirst. „From zero to hero“ war der Slogan meiner Schule. 😉 Auch wenn ich es jetzt besser weiß und kein Fan davon bin, dass die Yoga Lehrer Titel durch solche Programme im Grunde einfach verkauft werden, war dieser Monat fantastisch. Ich hab mich wie in Hogwarts gefühlt.

Ich hatte fantastische Lehrer, die wirklich mit Herz unterrichtet haben. Die Philosophiestunden inspirierten mich besonders. Ich konnte kaum glauben, dass es Schriften darüber gibt, wie der Mensch funktioniert, die die Psyche und den Geist genau analysieren – und das seit tausenden von Jahren (und niemand unterrichtet das in der Schule!).

Mein liebster Lehrer war Ravi, der Hatha Yoga Lehrer. Er ist mit erhobener Brust, wie ein Pfau durchs Leben gegangen, hat so gut wie nie gelächelt und seine ersten Worte waren: „Shoes and ego outside. You will not be Yoga teachers after this month.“ Wir schauten uns alle etwas verwirrt um und los ging die Stunde. Er zeigte uns schnell, dass niemand in einem Monat Yoga lernen kann. Die Hälfte der Gruppe liebte Ravi, die andere nicht. Ich wusste damals noch nicht, dass er Schüler von meiner jetzigen Iyengar Yoga Lehrerin Usha Devi war. 

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Rishikesh

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Nach dem TTC blieben wir noch länger in Rishikesh, dem „Yoga Capital of the World“. Wir fragten rum, wo sich denn die besten Lehrer in diesem Yoga Mekka versteckten und hörten immer wieder einen Namen: Usha Devi.

Ich werde meine erste Iyengar Yoga Klasse mit Ushas Assistentin Ekta wohl nie vergessen: Ich hab gedacht ich bin im falschen Film! Ich dachte, dass ich nach meinem Monat TTC Bescheid wusste über Yoga und hatte eigentlich das Gefühl, schon ganz gut ausgebildet zu sein. Nicht so nach diesem ersten Kontakt mit Iyengar Yoga. Plötzlich tat sich nochmal eine ganz neue Welt auf. Und ich spürte sofort, wie sehr diese Methode in die Tiefe geht und wie viel Usha und Ekta wussten. Ich fühlte mich sicher bei ihnen und war gleichzeitig überfordert und überwältigt mit allem, was ich in ein paar Klassen mit ihnen lernte.

Eins war mir und meinem Mann aber klar: Wir wollten von diesen beiden Frauen lernen. Wir blieben. Wir blieben in Rishikesh und wir blieben im Iyengar Yoga. Für die nächsten 6 Jahre lag unser Fokus darauf, so viel wie möglich in Indien zu sein und Iyengar Yoga zu lernen. Jedes Jahr verbrachten wir zwischen 5 und 9 Monaten in Rishikesh, nahmen täglich Klassen, übten jeden Morgen stundenlang allein, nahmen regelmäßig Philosophie Unterricht und studierten in jeder freien Minute. Es war eine fantastische Zeit!

Als ich mich damals zum TTC anmeldete, wollte ich lernen, nicht Lehrerin werden. Ich stimme Ravi absolut zu, dass niemand in einem Monat Yoga Lehrer*in werden kann. Außerdem war ich absolute Anfängerin und hatte überhaupt nicht das Selbstbewusstsein, zu unterrichten. 

Diese Gedanken wurden auch von meiner Lehrerin Usha bestätigt. Sie hat uns immer davor gewarnt, zu lernen, um zu unterrichten. In den vielen Jahren bei ihr lag mein Fokus immer auf mir. Es ging um mich, meine Weiterentwicklung und meine Praxis. Ich habe überhaupt nicht daran gedacht, Lehrerin zu werden. Yoga beginnt immer mit uns selbst und ich habe besonders in den ersten Jahren in Rishikesh meinen Fokus komplett nach innen gerichtet. Anstatt mit Freunden Chai zu trinken und im Fluss zu schwimmen, waren mein Mann und ich zu Hause und haben gelernt, studiert und geübt: Ich habe den Fokus dieser Zeit und die Sensibilität, die daraus resultierte, wirklich genossen und schaue sehr gern auf diese Monate zurück. 

Gleichzeitig inspirierten mich natürlich meine Freunde, die bereits ausgebildete Iyengar Yoga Lehrer waren, so viel Wissen hatten und ihre Geschichten über das Leben als Yoga Lehrer mit mir teilten. Ich begann mit dem Gedanken zu spielen, die Lehrerausbildung zu machen. 

Ich wusste, dass es eine sehr wichtige und große Entscheidung ist. Es war mir wichtig, wirklich zu 100% committed zu sein und mich und mein Leben wirklich diesem Weg widmen zu wollen. Das TTC damals zu machen, war wie einen Urlaub zu buchen – mich für die Iyengar Yoga Ausbildung zu entscheiden, fühlte sich mehr wie eine Heirat an. 🙂 

2018 verbrachten wir zusammen mit Usha zwei Monate am RIMYI in Pune, dem Ramamami Iyengar Memorial Yoga Institute – der Schule von BKS Iyengar und seiner Familie – die globale Zentrale des Iyengar Yoga. Die Monate waren fast noch intensiver als in Rishikesh. In Rishikesh hatten wir täglich Selfpractice am Morgen, eine Klasse am Abend und 2 Mal die Woche Philosophie. In Pune gab es den ganzen Tag Klassen und wir durften eine pro Tag nehmen und bei so vielen wie wir wollten zuschauen.

Wir waren fast den ganzen Tag im Institut, teilweise von 5:45 Uhr am Morgen, wenn die erste Klasse begann. Es war eine so spannende Zeit und so inspirierend, zusammen mit den Lehrern und Lehrerinnen, von denen ich so viel gehört hatte, deren Bücher ich gelesen hatte und die so wichtige Persönlichkeiten in unserer Iyengar Yoga Welt sind, zu üben. Ich weiß noch, wie schüchtern wir waren, weil es das erste Mal am Institut war und ich so viel Respekt vor meinen Lehrern hatte. 

Am Ende dieser spannenden Zeit, als wir uns von Usha verabschiedeten, sagte sie zu mir und meinem Mann, dass es Zeit für uns ist, zu unterrichten. Diese Worte zu hören, war unglaublich wertvoll für uns.

Mit Freunden im RIMYI

Die Ausbildung absolvierten wir in Mexiko City und sie dauert in der Regel zwischen 2 und 3 Jahren und ist sehr umfangreich. 

Regelmäßige Klassen und Workshops, um die eigene Praxis zu vertiefen, waren nur ein kleiner Teil. Der große Teil war die Methodik des Unterrichtens. Mit der Iyengar Yoga typischen Präzision und Genauigkeit lernten wir, in welcher Reihenfolge die Asanas unterrichtet werden, wie die Technik weitergegeben werden soll, was gesagt werden soll, was nicht, welche Worte man wählt, wo man steht, worauf man schaut, wie man mit häufigen Beschwerden in Rücken, Knien und Nacken umgeht, was in der Menstruation gemacht werden darf und was nicht und wie wir schwangere Frauen sicher begleiten. Ein anderer großer Teil waren die Yoga Sutren, die Lehrwerke von BKS und Geeta Iyengar und natürlich auch die Anatomie des Menschen.

Die Prüfung war eine der nervenaufreibendsten Momente in meinem Leben! Wir wurden von 3 Prüferinnen mit Adleraugen beobachtet, eine davon kam extra aus den USA eingeflogen. Ich war so aufgeregt und weiß noch, wie im Pranayama Teil meine Augenlider flackerten und ich es einfach nicht geschafft habe, sie zu beruhigen. Die Prüfung ging 2 Tage und wir mussten unsere Pranayama und Asana Praxis präsentieren, eine Klasse nach sehr strengen Parametern geben und eine schriftliche Prüfung ablegen.

In meiner Gruppe haben an diesem Wochenende alle bestanden.

Die Ausbildung war eine lehrreiche und spannende Zeit und ich schaue gern auf diese Zeit in Mexiko City zurück.

In Indien habe ich gelernt, zu üben und in der Ausbildung habe ich gelernt, zu teilen.

Beides gehört zusammen. Es ist unmöglich zu unterrichten, ohne genau zu wissen, wie sich die Asanas im eigenen Körper anfühlen. In meiner Praxis lerne ich jeden Tag wieder, welche Effekte die Aktionen und Bewegungen auf die unterschiedlichen Körperteile haben und wie sich die Asanas anfühlen, wenn der Körper richtig ausgerichtet ist. Meine intensive eigene Praxis erlaubt es mir, mich in die Körper meiner Schüler*innen hineinzuversetzen und zu spüren, was sie spüren

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Ich habe meine Weg heute mit dir geteilt, weil ich glaube, dass du viel daraus für dich mitnehmen kannst. Wenn du gern Lehrer*in werden möchtest, dann sei zuerst Schüler*in. Und sei vor allem für immer Schüler*in. Yoga ist nicht irgendwann fertig. Yoga ist ein Lebensweg und unsere Verantwortung als Lehrer*innen ist es, immer aus der Erfahrung heraus zu unterrichten und das weiterzugeben, was wir selbst am eigenen Körper experimentiert und verstanden haben. Es geht darum, mit Mitgefühl und Herz das zu teilen, was uns selbst so sehr hilft zu wachsen.

Der erste Punkt in dem umfangreichen Buch „Basic Guidelines for Teachers of Yoga“ von Geeta und BKS Iyengar ist : Teach from the heart not from the brain alone.

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„Teach from the heart not from the brain alone“.

Geeta und BKS Iyengar in „Basic Guidelines for Teachers of Yoga“

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Wenn du Interesse daran hast, Lehrer*in zu werden, dann empfehle ich dir, dich selbst als erstes dazu zu verpflichten, Schüler*in zu sein. Such dir eine Lehrerin/einen Lehrer, der/dem du vertraust und fokussiere dich auf dich und deine Praxis. Je mehr du übst, umso natürlicher wird es, zu teilen. Als erstes – und für immer – Schüler*in zu sein wird dich zu einem guten Lehrer/einer guten Lehrerin machen!

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Deine Laura

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PS: Wenn du Lust hast, mit mir zusammen zu üben, dann sei bei meinen online Iyengar Yoga Klassen dabei. Hier bekommst du mehr Infos.

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